Montura

 

IO SONO LI (VENEZIANISCHE FREUNDSCHAFT)

Film von Andrea Segre

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Fast Der Milione von Marco Polo, aber umgekehrt. Aus dem Extremen Orient in die Lagune. Nicht über die Handelsrouten, die dazu dienten, Waren zu finden und zu tauschen, sondern über die wesentlich weniger faszinierenden und dem Überleben dienenden heutigen Emigrationswege.

Im Film von Andrea Segre arbeitet die junge, chinesische Mutter Shu Li am Stadtrand von Rom in einer Textilwerkstatt, um die Papiere zu bekommen, die sie benötigt, um den 8-jährigen Sohn nach Italien zu holen. Plötzlich muss sie nach Chioggia umziehen, eine kleine Inselstadt in der venezianischen Lagune, um dort als Barista in einer Osteria zu arbeiten.

Hier lernt sie Bepi kennen, einen ursprünglich aus dem slavischen Raum stammenden, nicht mehr ganz jungen Fischer, der von seinen Freunden „der Poet“ genannt wird. Das Zusammentreffen repräsentiert eine Art Entrinnen aus der Einsamkeit, einen stiller Dialog zwischen unterschiedlichen, aber nicht mehr allzu weit voneinander entfernten Kulturen. Eine Reise in das tiefe Herz einer Lagune, die Mutter und Wiege von zu keiner Zeit unbeweglichen Identitäten zu sein vermag. Aber die Freundschaft zwischen Shun Li und Bepi wird von den beiden Gemeinden – der chinesischen und der in Chioggia – nicht gerne gesehen. Also versuchen sie diese neue Situation zu torpedieren, weil sie vermutlich einfach noch zu viel Angst davor haben.

Eine ganze Reihe an explosiven, integrationsrelevanten Themen verbergen sich in diesem Film, der in zarten, poetischen und verdeckten Tönen daherkommt: nahezu von den stillen Winternebeln Ost-Venetiens versteckt. Eine territoriale Werkstatt: In nur wenigen Jahren erfolgte der Übergang von Armut zu großem Reichtum, von einem Emigrationsort zu einem Migrantenziel. Begleitet von allen aus dem Zusammentreffen und der Konfrontation unterschiedlicher Identitäten sich ergebenden Fragezeichen, die in einer verschlossenen und bis heute an Familien- und Nachbarschaft-Codes gebundenen Gemeinde, ganz so wie die antike Via Clodia, auftreten.

REGIE: Andrea Segre
DREHBUCH: Andrea Segre, Marco Pettenello
CAST: Zhao Tao, Rade Šerbedzija, Marco Paolini, Roberto Citran
PRODUZIERT VON: Jolefilm, Aeternam Films
DAUER: 100 Minuten
MIT UNTERSTÜTZUNG VON: Montura
FILMSTART: 2011
PREISE: David di Donatello 2012 - Beste Hauptdarstellerin in Zhao Tao, LUX-Preis des Europäischen Parlaments, Bif&st in Bari 2012 - Franco Cristaldi Preis für den besten Film und Giuseppe Rotunno Preis für die beste Kamera, Arco d’Oro für den besten Film auf dem Est Film Festival in Montefiascone, Est Film Festival 2012 - Bester Film